
Der Judenfriedhof in Schleusingen ist jetzt wieder in gutem Zustand. FOTOS: frankphoto.de
JUDENFRIEDHOF
Gedenkstätte in Top-Zustand
Über Projekt mit Langzeitarbeitslosen wurde Ruheplatz in Ordnung gebracht
VON KARIN SCHLÜTTER
Am Schleusinger Judenfriedhof hat sich in jüngster Zeit viel getan. Über ein BSI-Projekt wurde die Gedenkstätte gründlich in die Kur genommen.
Schleusingen Kerstin Möhring ist überglücklich. „Endlich konnte der Judenfriedhof einmal grundlegend in Ordnung gebracht werden. Ich bin so froh darüber“, betont die Gymnasiallehrerin. Seit sie sich der Aufarbeitung der Geschichte der Schleusinger Juden und später der Südthüringer verschrieben hat, lässt sie auch diese Gedenkstätte nicht los. So manche Arbeitseinsätze hat sie schon hier organisiert, sich selbst vornedran gestellt. Ein gepflegter Zustand des Friedhofes ist ihr wichtig, denn durch ihre weitreichenden Kontakte zu Juden in aller Welt ob in Europa, USA, Kanada oder Südamerika kommen öfter auch jüdische Besucher in die Stadt und zum Friedhof.
Dank eines vom Jobcenter des Landkreises Hildburghausen geförderten Projekts der BSI gemeinnützige Gesellschaft für Weiterbildung mbH Hildburghausen konnte der Judenfriedhof am Schleusinger Sättel gründlich in die Kur genommen werden.
„Einige Wochen waren drei Ein-Euro-Jobber hier intensiv beschäftigt“, so BSI-Projektleiter Günter Gerhardt. Peter Möcker, Frank Felske und Silke Henkel haben den baufälligen Zaun ausgebessert und gestrichen, Gras gemäht, nicht nur auf dem Friedhof, sondern auch im Terrain rundherum. Sträucher wurden geschnitten, Grabsteine gereinigt, Unkraut entfernt und vieles mehr. „Es war manchmal schon schwer, wir hatten sehr viel zu tun“, meinte Silke Henkel.
„Wir hatten aber auch sehr gute Unterstützung durch die Stadt“, lobte Günter Gerhardt die gute Zusammenarbeit. „Der Bauhof hat Material und Arbeitsgeräte zur Verfügung gestellt und sich um den Abtransport des Grünabfalls gekümmert. Auch wenn die Arbeiten jetzt beendet sind, eine Eintagsfliege soll das Projekt nicht bleiben.

Als Ein-Euro-Jobber an historischer Stätte: Frank Felske, Silke Henkel und Peter Möcker (v.l.) bei ihrer Arbeit am Judenfriedhof.
"Im Herbst müssen hier noch einmal Pflegearbeiten durchgeführt werden", meint Günter Gerhardt. Dann soll auch der Fußweg, der an dem neuen Straßenabschnitt am Sättel vor dem Judenfriedhof endet, weitergeführt werden. Und eine Informationstafel soll Auskunft geben über dieses Zeugnis einstigen jüdischen Lebens in Schleusingen, das Kerstin Möhring, die Slusizer-Preisträgerin 2006, nahezu komplett erforscht hat. Nach zehn Jahren Recherche hat sie alle überlebenden jüdischen Schleusinger gefunden und kann ihnen Fragen nach den Schicksalen ihrer Familienmitglieder beantworten. Zum Beispiel das Nathan Frankenbergers, dem letzten Schleusinger Juden. Er wurde von der Gestapo bei Sonntagsspaziergang weggeschleppt und so gefoltert, dass er sich im Gefängnis das Leben nahm. Es ist nur eines der Schicksale, die steinerne Mahnung sind. Der jüdische Friedhof ist für die Ewigkeit bestimmt, keines der Gräber wird jemals eingeebnet, damit nie vergessen wird ... Auch deshalb ist dieses Projekt so wichtig.
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