Neue Thüringer Illustrierte 07.08.2007

Mut zur Verantwortung

Dienstleister in der berufliche Bildung ebnen den Weg zum Arbeitsmarkt

Das in Südthüringen seit Herbst 1990 tätige Bildungs- und Schulungs-Institut (BSI) hat wie viele andere Bildungseinrichtungen auch die Erfahrung gemacht, dass bei weitem nicht alle Schulabgänger das erforderliche Bildungsniveau für eine erfolgreiche Berufsausbildung mit anschließender Arbeitsmarktintegration mitbringen. Oftmals wird dieser Zustand begleitet durch wenig ausgeprägte persönliche und soziale Kompetenzen. Beide Seiten bedingen sich natürlicherweise und wirken deshalb immer auch komplex.

Dies erfordert demnach auch, im Ausbildungsbereich beide Kompetenzbereiche gleichermaßen zu entwickeln und berufliche Praxis wirklichkeitsnah in der Ausbildung zu gestalten.

Der Ansatz für die Erfahrung gezielter Fortschritte in der Persönlichkeitsentwicklung liegt oft im Abbau von Defiziten, welche im Kindesalter bereits eingetreten sind. Manchmal fällt es Ausbildern und Sozialpädagogen schon nicht leicht diese Situation nicht als Last, sondern Lust und Herausforderung zugleich, zu betrachten.

Auch wenn die Ausbildungsstätten scherzhaft als "Reparaturwerkstätten" für "Personifizierte Produkte" gesellschaftlicher Gesamtentwicklung bezeichnet werden, können sich die Resultate eines ganzheitlichen Prozesses von Fachqualifikation und Sozial- bzw. Schlüsselkompetenzentwicklung (im Klartext "Erziehung") durchaus sehen lassen.

Ob erfolgreich abgeschlossene Berufsvorbereitung, erlangter Facharbeiterabschluss, Zusatzqualifikationen oder absolvierte Ausbildungsabschnitte über mehrere Wochen oder Monate im Ausland - sie machen immer wieder Mut, auch jungen Menschen mit Förderbedarf gerade deshalb Verantwortung zu übertragen und Vertrauen zu schenken.

Eine besondere Art eben auch, Fachkräfte in die heimische Wirtschaft zu entwickeln. Mit Genugtuung ist festzustellen, dass die Anzahl der Unternehmen wächst, die in enger Kooperation ihren ganz eigenen und oft von Geduldsproben gekennzeichneten Ausbildungsauftrag annehmen. Dies trifft voll und ganz ebenso auf die Entwicklung von stabiler, dieser Situation Rechnung tragender Partnerschaft mit den Staatlichen Berufsbildenden Einrichtungen wie zum Beispiel in Suhl, Hildburghausen und Zella-Mehlis zu.

Kenner der Weiterbildungsbranche werden bestätigen, dass die Situationsbeschreibung und mögliche Lösungsansätze durchaus im Bereich der Erwachsenenbildung vor allem bei von Langzeitarbeitslosigkeit Betroffenen zutreffend sind.

Ob diese Probleme im Erwachsenenbereich allerdings mit der nach jetzigem System geprägten Vergabe von Bildungsgutscheinen oder "eingekauften" Trainingsmaßnahmen im Niedrigpreissektor für zertifizierte und gut aufgestellte Dienstleister auf Dauer zu lösen sind, erscheint eher unwahrscheinlich.

H. Brückner


Künftige Einzelhandelskaufleute aus der dreijährigen berufsbildenden Berufsfachschule Suhl bereiten sich mit ihrer Projektkoordinatorin Frau Nowak auf das zweite Ausbildungsjahr vor. Berufliche Praxis wirklichkeitsnah gestalten. (Foto:BSI-ARCHIV)

Anmerkung der Redaktion: Der Autor ist Geschäftsführer der Bildungs- und Schulungsinstitut gGmbH Bildungszentrum Suhl.